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Spezifische Hilfeangebote

Die Betrachtung spezifischer Hilfeangebote gibt Aufschluss über die Entwicklung und die Erreichung sehr spezifischer Zielgruppen.

Externe Suchtberatung im Strafvollzug

Die Fallzahlen aus der externen Suchtberatung im Strafvollzug zeigen eine Zunahme von 2.176 Fällen im Jahr 2008 auf 2.817 Fälle im Jahr 2015. Dies ist vor allem auf die gestiegenen Fallzahlen bei Stimulanzien zurückzuführen (Abbildung 8-23). Diese Fälle machten im Jahr 2015 mit 1.350 etwa die Hälfte der dokumentierten Suchtberatungen im Strafvollzug aus. Damit haben Stimulanzien-Fälle Opioide (im Jahr 2010) und Alkohol (im Jahr 2011) als häufigere Indikationen abgelöst.

Abbildung 8-23: Anzahl der Klienten in externer Beratung von Justizvollzugsanstalten insgesamt, nach illegalen Drogen (F11-F16, F18, F19) und nach Indikation: Alkohol (F10), Stimulanzien (F15), Opioide (F11), Cannabinoide (F12), Andere psychotrope Substanzen oder multipler Substanzgebrauch (F19), Sachsen, 2007 bis 2015

Die Anzahl der Klienten in externer Beratung im Strafvollzug hat seit 2007 insgesamt um fast 700 pro 100.000 Einwohner zugenommen. Besonders die Zahl der Klienten illegaler Drogen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Bis Ende 2010 dominierten Alkohol und Opioide bis sie von den Stimulanzien als Hauptdiagnose abgelöst wurden. Innerhalb von 8 Jahren ist die Anzahl Klienten um 1.000 gestiegen.

Diagnose nach ICD-10
Quelle: Erhebung der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.,
eigene Darstellung IFT

Analog zur Entwicklung der Fallzahlen der externen Suchtberatung in den Justizvollzugsanstalten ist die Zahl der vollzeitäquivalenten Stellen (VZÄ) von 10,5 in 2007 um mehr als 50 Prozent auf 16,1 in 2015 gestiegen (Abbildung 8-24). Auch ist die Anzahl von Stellen je betreuter Justizvollzugsanstalt von im Durchschnitt 1,2 auf 1,8 gestiegen, wobei es aber eine Streuung von 0,6 Stellen bis maximal drei Stellen für eine Justizvollzugsanstalt gab.

Abbildung 8-24: Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen (VZÄ) für Suchtberatung in Justizvollzugsanstalten (JVA) gesamt (linke Skala), je betreuter JVA, je betreuender Suchtberatungsstelle (SBB) (rechte Skala), Sachsen, 2007 bis 2015

Die Anzahl der vollzeitäquivalenten Stellen für Suchtberatung in JVAs ist in den Jahren von 2007 bis 2015 von 10,5 Prozent auf über 16 Prozent angestiegen. Die Stellen je betreuter JVA sind von im Durchschnitt 1,2 auf 1,8 Stellen in 2015 angestiegen. In den betreuten Suchtberatungsstellen stieg die durchschnittliche Anzahl Stellen nur auf 1,3, was einem Zuwachs von 0,3 Stellen entspricht.

Quelle: Erhebung der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.,
eigene Darstellung IFT

Bei Betrachtung der Anzahl der Fälle nach Einzelsubstanz zeigt sich, im Gegensatz zu den anderen Datenquellen, in denen nur Stimulanzien insgesamt erfasst wurden, dass die Zunahme der Fälle auf Crystal Meth zurückzuführen ist (Abbildung 8-25). In der Justizvollzugsanstalt Dresden war im Jahr 2015 mit 240 Fällen das höchste Fallaufkommen an Betreuungen wegen Crystal Meth zu verzeichnen. Insbesondere in den Justizvollzugsanstalten Zeithain und Zwickau sowie auf niedrigerem Niveau auch in den Justizvollzugsanstalten Bautzen und Görlitz bestanden die betreuten Fälle im Jahr 2015 größtenteils oder fast ausschließlich aus Crystal-Meth-Konsumenten. Opioide oder Cannabinoide spielten nur noch in den Justizvollzugsanstalten Dresden, Chemnitz, Leipzig und Torgau eine Rolle.

Abbildung 8-25a: Anzahl der Fälle nach suchtbezogenen Diagnosen in der externen Suchtberatung in Sachsen, nach Justizvollzugsanstalten, 2008, 2012 und 2015

In der externen Suchtberatung überwogen 2008 noch Opioiddiagnosen. Mit mehr als 150 Fällen waren die meisten davon in Leipzig. Mit Ausnahme von Waldheim sind die Fallzahlen bis 2012 überall gestiegen, was vor allem auf den Anstieg der Diagnose Crystal Meth zurückzuführen ist. 2015 hat lag die Anzahl der Fälle nicht wesentlich höher oder niedriger als 2012.

Diagnosen nach ICD-10.
Quelle: Erhebung der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.,
eigene Darstellung IFT

Abbildung 8-25b: Anzahl der Fälle nach suchtbezogenen Diagnosen in der externen Suchtberatung in Sachsen, nach Justizvollzugsanstalten, 2008, 2012 und 2015

In der externen Suchtberatung überwogen 2008 noch Opioiddiagnosen. Mit mehr als 150 Fällen waren die meisten davon in Leipzig. Mit Ausnahme von Waldheim sind die Fallzahlen bis 2012 überall gestiegen, was vor allem auf den Anstieg der Diagnose Crystal Meth zurückzuführen ist. 2015 hat lag die Anzahl der Fälle nicht wesentlich höher oder niedriger als 2012.

Diagnosen nach ICD-10.
Quelle: Erhebung der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.,
eigene Darstellung IFT

Abbildung 8-25c: Anzahl der Fälle nach suchtbezogenen Diagnosen in der externen Suchtberatung in Sachsen, nach Justizvollzugsanstalten, 2008, 2012 und 2015

In der externen Suchtberatung überwogen 2008 noch Opioiddiagnosen. Mit mehr als 150 Fällen waren die meisten davon in Leipzig. Mit Ausnahme von Waldheim sind die Fallzahlen bis 2012 überall gestiegen, was vor allem auf den Anstieg der Diagnose Crystal Meth zurückzuführen ist. 2015 hat lag die Anzahl der Fälle nicht wesentlich höher oder niedriger als 2012.

Diagnosen nach ICD-10.
Quelle: Erhebung der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.,
eigene Darstellung IFT

Substitutionsbehandlungen

Als Ergänzung zu den Daten der ambulanten Suchthilfe und stationären Versorgung gibt das Substitutionsregister Aufschluss über Veränderungen der spezifischen Versorgungslage von Personen mit Opioidabhängigkeit in Sachsen. Die Gesamtzahl der Substitutionspatienten eines Jahres nahm von 2008 bis 2015 ab (Abbildung 8-26). Die Anzahl der Substitutionspatienten zum Stichtag am 1. Oktober eines Jahres hat im Vergleich dazu deutlich weniger stark abgenommen. Dies könnte dafürsprechen, dass es eine relativ stabile »Kernpopulation« an langfristig substituierten Patienten gibt, diese aber in den letzten Jahren nur durch wenig neue langfristige Patienten erweitert wurde. Denn die Gesamtzahl der Substitutionspatienten eines Jahres beinhaltet auch Therapieversuche, die wieder aufgegeben wurden. Die Anzahl an substituierenden Ärzten (sowohl nach § 5 Absatz 2 BtMVV232 als auch § 5 Absatz 3 BtMVV; im Jahr 2015 gültige BtMVV) ist in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben.

Abbildung 8-26: Anzahl Substitutionspatienten (linke Skala) und substituierender Ärzte (rechte Skala), Sachsen, 2008 bis 2015

Die Grafik veranschaulicht die Veränderung der Anzahl an Substitutionspatienten und die Anzahl substituierender Ärzte von 2008 bis 2015. Während die Anzahl der substituierenden Ärzte über die Jahre relativ stabil bei 20 (nach § 5, Abs. 2) geblieben ist, sank die Gesamtzahl der Patienten bis 2014 kontinuierlich auf bis 951 Personen ab. Von 2014 auf 2015 ist die Zahl der Patienten wieder um etwas unter 100 Personen angestiegen. Die Anzahl der Patienten zum Stichtag 01.10. ist allerdings deutlich geringer abgefallen und liegt 2015 bei 595 Personen.

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – Meldungen der substituierenden Ärzte nach § 5a BtMVV (gültig 2015),
eigene Darstellung IFT

Sozialtherapeutische Angebote

Bei den sozialtherapeutischen Angeboten für chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitserkrankte sind im Zeitraum von 2005 bis 2015 die Plätze für ambulant betreutes Wohnen auf fast das Achtfache auf 471 Plätze ausgebaut worden (Abbildung 8-27). Auch die Plätze in Außenwohngruppen haben sich in etwa auf 142 Plätze verdoppelt. Die Plätze in Kerneinheiten/Wohnstätten sind relativ stabil bei knapp 400 geblieben.

Abbildung 8-27: Anzahl der Plätze für chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitserkrankte, Sachsen, 2005, 2008, 2012 und 2015

Die Anzahl der Plätze für chronisch mehrfach Geschädigte werden von 2005 bis 2015 dargestellt. Eine ausführliche Beschreibung findet sich im Text.

Quelle: Kommunaler Sozialverband Sachsen – Einrichtungsstatistik,
eigene Darstellung IFT

Präventionsfachstellen

Die Anzahl der sächsischen Fachstellen zur Suchtprävention je 100.000 Einwohner ist seit 2005 etwas angestiegen (Stelle für (ehemaligen) Direktionsbezirk Leipzig erst ab 2007), sodass im Jahr 2015 sachsenweit insgesamt 0,55 vollzeitäquivalente Stellen pro 100.000 Einwohner zur Verfügung standen (Abbildung 8-28). Dies entspricht 7,3 tatsächlichen vollzeitäquivalenten Stellen. Im (ehemaligen) Direktionsbezirk Chemnitz war die beste personelle Ausstattung zu verzeichnen. Hier ist auch der Anstieg an Stellen zu verorten (von 0,19 auf 0,25 vollzeitäquivalenten Stellen pro 100.000 Einwohner). Diese Stellen wurden für die Unterstützung der Landkreise und Kreisfreien Städte bei der Planung und Durchführung suchtpräventiver Vorhaben und konkreter Projektarbeit eingerichtet.

Abbildung 8-28: Anzahl der vollzeitäquivalenten Fachstellen zur Suchtprävention je 100.000 Einwohner, nach (ehemaligen) Direktionsbezirken (DB) in Sachsen, 2005 bis 2015

Die Anzahl der Fachstellen stieg in Chemnitz von 0,19 auf 0,25 pro 100.000 Einwohner. In Dresden ist die Zahl bis auf einen Einbruch von 0,03 Stellen im Jahr 2010, bei 0,11-0,12 Stellen geblieben.

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz,
eigene Darstellung IFT

 

Fußnoten

232 BtMVV=Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung. Die BtMVV regelt als Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln gemäß § 1 Absatz 2 des deutschen Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) die Abgabe und den Verkehr der in Anlage III des BtMG aufgeführten Substanzen sowie deren Höchstabgabemengen.

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