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Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2005 und 2015

Entwicklung absolut und je 1.000 Einwohner

Für das Jahr 2015 weist die Pflegestatistik 166.792 Pflegeleistungsbezieher für den Freistaat Sachsen aus. Das sind 5,8 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen in Sachsen sind 65 Jahre alt oder älter, darunter 44.161 Männer und 97.427 Frauen (Tabelle 7-1).

Tabelle 7‑1: Anzahl der Pflegebedürftigen ab 65 Jahren in Sachsen insgesamt sowie in den Landkreisen und Kreisfreien Städten, nach Geschlecht, 2015
  insgesamt männlich weiblich
Sachsen 141.588 44.161 97.427
Chemnitz, Stadt 8.439 2.598 5.841
Erzgebirgskreis 13.531 4.195 9.336
Mittelsachsen 11.138 3.476 7.662
Vogtlandkreis 7.228 2.209 5.019
Zwickau 12.321 3.716 8.605
Dresden, Stadt 15.073 4.850 10.223
Bautzen 12.205 3.850 8.355
Görlitz 12.455 3.707 8.748
Meißen 9.406 2.948 6.458
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 8.998 2.737 6.261
Leipzig, Stadt 15.124 4.947 10.177
Leipzig 8.484 2.683 5.801
Nordsachsen 7.186 2.245 4.941

Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG

Auf 1.000 Einwohner ab 65 Jahren kommen im Freistaat Sachsen im Jahr 2015 138,1 Pflegebedürftige ab 65 Jahren (Abbildung 7-1). Auffällig hoch ist die Zahl der Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohner ab 65 Jahren in den Landkreisen Görlitz (171,4 Pflegebedürftige je 1.000 Einwohner) und Bautzen (154,0). Besonders gering ist der Anteil dagegen im Vogtlandkreis (110,0 Pflegebedürftige je 1.000 Einwohner). Der Anteil der weiblichen Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohner ab 65 Jahren ist dabei grundsätzlich deutlich höher als bei den Männern. Im Freistaat Sachsen insgesamt kommen auf 1.000 Frauen ab 65 Jahren 164,0 pflegebedürftige Frauen ab 65 Jahren (Männer: 102,4).

Abbildung 7-1: Anzahl der Pflegebedürftigen ab 65 Jahren je 1.000 Einwohner in Sachsen insgesamt sowie in den Landkreisen und Kreisfreien Städten, 2015

Die Grafik stellt die beschriebenen regionalen Unterschiede dar.

Eine Übersichtskarte mit den Namen der Landkreise und Kreisfreien Städte ist in Teil I zu finden.
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG 2018

Prozentuale Veränderungen der Zahl der Pflegebedürftigen – Bundesländervergleich

Die Anzahl der Pflegebedürftigen im Freistaat Sachsen ist zwischen 2005 und 2015 um 39,1 Prozent angestiegen. Wie Abbildung 7-2 zeigt, ist der sächsische Zuwachs im Bundesvergleich (+34,4%) sowie im Vergleich mit dem Durchschnittswert für die neuen Bundesländer, einschließlich Berlin, (+37,8%) überdurchschnittlich hoch ausgefallen.183 In den alten Bundesländern (ohne Berlin) lag der durchschnittliche Zuwachs bei 33,5 Prozent.

Ab dem Jahr 2011 gestaltete sich die Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen im Freistaat Sachsen zunehmend dynamischer – bis dahin hatte sich der Zuwachs teilweise sogar unterhalb des Niveaus der alten Bundesländer bewegt, deren Wachstumsraten insgesamt eine geringere Dynamik aufweisen. Der bisher höchste Zuwachs an Pflegebedürftigen in Sachsen ist zwischen 2011 und 2013 zu verzeichnen (+6,0%). Zwischen 2013 und 2015 lag der Zuwachs nach wie vor bei +3,7 Prozent.

Abbildung 7-2: Veränderung der Zahl der Pflegebedürftigen in den Bundesländern und Gesamtdeutschland, in Prozent, 2005 bis 2015

Die Abbildung stellt die genannten bundesweiten Unterschiede grafisch dar.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG. Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG 2018

Entwicklung der Pflegequoten – regionaler Vergleich

Im Zeitraum zwischen 2005 und 2015 sind die Pflegequoten, das heißt der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung, aufgrund der Alterung der Bevölkerung bundesweit deutlich angestiegen. Im Freistaat Sachsen lag die Pflegequote im Jahr 2015 bei 4,1 Prozent und entsprach damit genau der durchschnittlichen Pflegequote in den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin).184 Im Vergleich zu Gesamtdeutschland (3,5%) und den alten Bundesländern (3,3%) fiel die Pflegequote im Freistaat Sachsen überdurchschnittlich hoch aus. Die Pflegequote in der männlichen Bevölkerung ist grundsätzlich deutlich geringer als in der weiblichen Bevölkerung. Im Freistaat Sachsen betrug die Pflegequote von Frauen im Jahr 2015 5,2 Prozent, die Pflegequote von Männern dagegen lediglich 2,9 Prozent.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, deutlich an. Im Freistaat Sachsen betrugen die Pflegequoten in der Bevölkerung von 65 bis unter 70 Jahren im Jahr 2015 3,0 Prozent, in der Bevölkerung von 80 bis unter 85 Jahren 20,2 Prozent und in der Bevölkerung ab 90 Jahren und mehr 69,3 Prozent.

Vergleicht man die Pflegequoten in der jeweiligen Altersgruppe im Freistaat Sachsen mit den Pflegequoten in Gesamtdeutschland sowie mit denen in den alten und neuen Bundesländern, so wird deutlich, dass die Unterschiede bei den Pflegequoten in den Regionen von der unterschiedlichen Verteilung der Geschlechter und deren Altersstruktur in der jeweiligen Region bestimmt sind. Ein hoher Anteil (älterer) Frauen in einer Region erhöht die Pflegequote in der Bevölkerung insgesamt. Wenn, wie in Abbildung 7-3 dargestellt, lediglich die Pflegequoten von Frauen in den vier Regionen betrachtet werden, sind kaum regionale Unterschiede auszumachen.

Abbildung 7-3: Pflegequoten von Frauen nach Altersgruppen (Pflegebedürftige ab 65 Jahren) in Sachsen, Gesamtdeutschland sowie den neuen Bundesländern (Ostdeutschland) und alten Bundesländern (Westdeutschland), in Prozent, 2015

Die Pflegequoten von Frauen steigen mit dem Alter stark an und erreichen mit 85 bis 90 Jahren 42 Prozent und mit über 90 Jahren über 70 Prozent. Die Prozentzahlen sind für Ostdeutschland nur leicht höher als für Gesamt- und Westdeutschland.

Bei der Unterscheidung nach alten und neuen Bundesländern wurde Berlin zu den neuen Bundesländern gezählt.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG

Prozentuale Veränderung der Zahl der Pflegebedürftigen

Betrachtet man die prozentuale Veränderung der Pflegebedürftigen ab 65 Jahren in den Kreisfreien Städten und Landkreisen in Sachsen sowie im Freistaat Sachsen insgesamt, so wird deutlich, dass der relative Zuwachs der ab 65-jährigen Pflegebedürftigen bei der männlichen Bevölkerung deutlich dynamischer verlief als bei der weiblichen Bevölkerung (Abbildung 7-4). Absolut betrachtet war der Zuwachs bei den Frauen (+23.366 Pflegebedürftige ab 65 Jahren) zwischen 2005 und 2015 jedoch nach wie vor höher als bei den Männern (+18.670 Pflegebedürftige ab 65 Jahren).

Die höchsten Zuwachsraten weisen die Stadt Dresden (+82,5%) sowie der Landkreis Bautzen (+79,4%) auf. Auffällig sind die geringen Zuwachsraten im Vogtlandkreis und im Landkreis Zwickau. Zwischen 2005 und 2015 kam es hier sogar zu einem Rückgang der Anzahl der weiblichen Pflegebedürftigen. Ein genauerer Blick auf die Entwicklung im Beobachtungszeitraum zeigt, dass die Zuwachsraten im Vogtlandkreis bis 2009 insgesamt rückläufig waren beziehungsweise stagnierten, jedoch seit 2011 wieder Zuwächse zu verzeichnen sind. Zwischen 2013 und 2015 kam es dort zu einem Zuwachs der Pflegebedürftigen um 5,3 Prozent. Im Landkreis Zwickau zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Auch hier setzte der Zuwachs 2011 wieder ein. Zwischen 2013 und 2015 kam es dort zu einem Zuwachs der Pflegebedürftigen um 3,2 Prozent. Für beide Landkreise gilt, dass der Zuwachs bei den Frauen deutlich dynamischer ausfiel als bei den Männern.

Abbildung 7-4: Veränderung der Zahl der Pflegebedürftigen ab 65 Jahren in Sachsen sowie in den Landkreisen und Kreisfreien Städten, insgesamt und nach Geschlecht, in Prozent, 2015 gegenüber 2005 (aufsteigend sortiert nach »insgesamt«)

Die Grafik zeigt die Entwicklung sowie die beschriebenen regionalen Unterschiede der Pflegebedürftigkeit.

Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG

Prozentuale Veränderung der Bevölkerung ab 80 Jahren

Um die unterschiedlichen Entwicklungen der Pflegebedürftigen in den Kreisfreien Städten und Landkreisen in Sachsen zu erklären, ist es sinnvoll, die Entwicklung der Bevölkerung ab 80 Jahren in den Blick zu nehmen, da bei Hochaltrigen, wie oben im Kontext der Pflegequoten bereits gezeigt, die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, am höchsten ist. Abbildung 7-5 verdeutlicht, dass sich sowohl im Vogtlandkreis als auch im Landkreis Zwickau der Anteil der ab 80-Jährigen in der Bevölkerung zwischen 2005 und 2015 zwar im landesinternen Vergleich am wenigsten dynamisch entwickelt hat (+23,2% beziehungsweise +26,6%), sich jedoch dennoch deutlich erhöht hat. Für das Jahr 2015 weisen die beiden Landkreise zudem einen Anteil von 8,0 Prozent der ab 80-Jährigen auf. Das ist innerhalb des Freistaates Sachsen neben dem Landkreis Görlitz (8,2%) der höchste Anteil (sachsenweiter Durchschnitt: 7,2%). Insofern lässt sich der geringe Zuwachs bei den Pflegebedürftigen im Beobachtungszeitraum damit nur bedingt erklären. Für den Landkreis Zwickau fällt jedoch auf, dass dieser bereits im Jahr 2005 einen relativ hohen Anteil an Pflegebedürftigen besaß − auf 1.000 Einwohner kamen 137,6 Pflegebedürftige. Im Freistaat Sachsen insgesamt lag der Anteil damals noch bei 104,4 Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohner. Bis 2015 ist die Zahl der Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohner im Landkreis Zwickau dann, ausgehend von einem bereits im Jahr 2005 überdurchschnittlich hohen Niveau, konstant bei 137,0 geblieben, während der Durchschnittswert für den Freistaat Sachsen in diesem Zeitraum auf 138,1 angestiegen ist. Die demografische Alterung hat damit im Landkreis Zwickau deutlich früher eingesetzt als im Freistaat insgesamt. Für den Vogtlandkreis gilt diese Argumentation nur bedingt. Auch hier ist die Zahl der Pflegebedürftigen je 1.000 Einwohner zwischen 2005 und 2015 konstant geblieben, jedoch mit etwa 110 Pflegebedürftigen auf einem deutlich geringeren Niveau. Grund für den geringen Zuwachs der Pflegebedürftigen im Vogtlandkreis könnten Abwanderungsbewegungen von (hochaltrigen) Pflegebedürftigen sein, beispielsweise von den Landkreisen in Kreisfreie Städte wie Dresden, in denen die Versorgung mit stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten dichter ist. Für diese These würde sprechen, dass der Zuwachs an Pflegebedürftigen in Dresden zwischen 2005 und 2015 im landesinternen Vergleich am höchsten ausgefallen ist.

Zahl der Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Im Jahr 2015 waren im Freistaat Sachsen 77.084 Personen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz einer Pflegestufe zugeordnet, 64,8 Prozent davon waren weiblich. Damit machten die Pflegebedürftigen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz einen Anteil von 46,2 Prozent an allen Pflegebedürftigen im Freistaat Sachsen aus. Auf Bundesebene betrug der Anteil im Jahr 2015 lediglich 42,0 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2017). Darüber hinaus bezogen im Jahr 2015 13.637 Personen in Sachsen Leistungen wegen einer eingeschränkten Alltagskompetenz ohne einer Pflegestufe zugeordnet zu sein (Pflegestufe 0), davon waren 56,5 Prozent weiblich.

Abbildung 7-5: Veränderung der Bevölkerung ab 80 Jahren in Sachsen insgesamt sowie in den Landkreisen und Kreisfreien Städten, in Prozent, 2015 gegenüber 2005

In den Landkreisen Leipzig, Nordsachsen und Meißen war der Anstieg der Bevölkerung über 80 Jahre mit bis zu 44,6 Prozent am höchsten. Im Landkreis Vogtland mit 23,2 Prozent am niedrigsten. Der Durchschnitt für Sachsen lag bei 34,3 Prozent.

Eine Übersichtskarte mit den Namen der Landkreise und Kreisfreien Städte ist in Teil I zu finden.
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, 2005: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Registerdaten vom 03.10.1990; 2015: Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus vom 09.05.2011,
eigene Darstellung Prognos AG. Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG 2018

Verteilung der Pflegebedürftigen über die Pflegestufen

Abbildung 7-6a–b zeigt, wie sich im Freistaat Sachsen die Pflegebedürftigen insgesamt und in unterschiedlichen Altersgruppen im Durchschnitt über alle Pflegesettings (Abbildung 7-6a) sowie ausschließlich in der vollstationären Dauerpflege (Abbildung 7-6b) über die Pflegestufen verteilen. Pflegebedürftige mit der höchsten Pflegestufe 3 werden überdurchschnittlich oft vollstationär versorgt. Dieser Anteil nimmt jedoch mit zunehmendem Alter der Pflegebedürftigen deutlich ab. Der Anteil der Pflegebedürftigen mit Pflegestufe 1 ist in der vollstationären Dauerpflege dagegen über alle Altersgruppen hinweg konstant und fast halb so groß wie im Gesamtdurchschnitt über alle Pflegesettings. Der Anteil der Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz ohne Zuordnung zu einer Pflegestufe ist in der vollstationären Dauerpflege überdurchschnittlich hoch.

Abbildung 7-6a: Verteilung der Pflegebedürftigen über die Pflegestufen nach Altersgruppen und insgesamt in Sachsen, in Prozent, 2015 (Gesamtdurchschnitt)

Die Grafik zeigt die beschriebene Verteilung auf die unterschiedlichen Pflegestufen im Gesamtdurchschnitt.

Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG

Abbildung 7-6b: Verteilung der Pflegebedürftigen über die Pflegestufen nach Altersgruppen und insgesamt in Sachsen, in Prozent, 2015 (nur vollstationäre Dauerpflege)

Die Grafik zeigt die beschriebene Verteilung auf die unterschiedlichen Pflegestufen für die vollstationäre Dauerpflege.

Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Pflegestatistik,
eigene Darstellung Prognos AG

 

Fußnoten

183 Durch die Zuordnung von Berlin zu den neuen Bundesländern wird der Wert für Ostdeutschland nach unten verzerrt. Ohne Berlin liegt der durchschnittliche Zuwachs der Pflegebedürftigen in den neuen Bundesländern zwischen den Jahren 2005 und 2015 bei 41,9 Prozent und damit über dem sächsischen Anstieg. Dies ist insbesondere durch die hohen Anstiege in Mecklenburg-Vorpommern (+54,7%) und Brandenburg (+49,6%) zu erklären.

184 Auch hier wird die Aussage durch die Zuordnung von Berlin zu den neuen Bundesländern verzerrt. Ohne Berlin liegt die Pflegequote in den neuen Bundesländern bei 4,4 Prozent und damit über der Pflegequote in Sachsen.

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